Damit ein Lohnfertiger Ihren Kabelbaum auf dem Nagelbrett bauen kann, braucht er einen Legeplan im Maßstab 1:1, auf dem Stamm und Abzweige mit Bezugspunkten eingezeichnet sind, eine Toleranz für jeden Abschnitt, die Position und Ausrichtung jedes Steckers sowie die Lage von Bindestellen, Schutzschlauch und Kennzeichnung. Aus diesen Angaben bauen wir das Brett in Turov bei Pardubice oder Moravská Třebová und geben es am Erstmuster frei; es kostet einmalig 120 € – 350 € (Richtwert – Angebot nach Anfrage und Muster) und steht in der Regel bis zum Erstmuster. Die folgenden sechs Schritte zeigen, was Sie vorbereiten und woran Brett und Kabelbaum sonst scheitern.
Wofür braucht ein Kabelbaum überhaupt ein Nagelbrett?
Das Nagelbrett ist eine Platte, auf die der Legeplan des Kabelbaums in Originalgröße übertragen wird. An jedem Knick, jedem Abzweig und jedem Leitungsende sitzen Stifte oder Halter; Steckergehäuse werden in Aufnahmen eingesetzt. Die Mitarbeiterin legt jede Leitung entlang der Stifte vom einen Stecker zum anderen, bindet die Bündel an den markierten Stellen und nimmt den fertigen Kabelbaum als Ganzes ab. So hat jeder Baum dieselben Längen, dieselben Abzweigpunkte und dieselbe Lage der Stecker, auch wenn ihn zwanzig verschiedene Hände gelegt haben.
Ohne Brett müsste jede Länge einzeln gemessen und jeder Abzweig nach Augenmaß gebildet werden. Das geht bei einem Muster, nicht bei einer Serie. Das Brett ist deshalb kein Extra, sondern die Grundlage jeder wiederholbaren Kabelbaumfertigung von Hand.
Schritt 1: Wie muss der Legeplan im Maßstab 1:1 aussehen?
Der Legeplan ist eine Draufsicht auf den ausgelegten Kabelbaum in Originalgröße. Am einfachsten ist ein Plot aus Ihrem Konstruktionssystem auf Rollenpapier; lange Bäume teilen Sie in nummerierte Blätter mit Anschlussmarken auf. Auf jedem Blatt gehören ein Maßstabsbalken mit bekannter Länge und der Revisionsindex dazu. Mit dem Balken prüfen wir beim Übertragen, ob der Plotter den Maßstab gehalten hat – Abweichungen von wenigen Prozent sind bei Rollenplots keine Seltenheit und würden sich auf jede Länge übertragen.
Ein Plan, der nur als verkleinerte Zeichnung mit Maßen vorliegt, ist ebenfalls brauchbar. Dann konstruieren wir den 1:1-Plan aus Ihren Maßen und schicken ihn zur Bestätigung, bevor das Brett gebaut wird. Das kostet einen Tag mehr, verhindert aber, dass ein Brett nach einer falsch gelesenen Maßkette entsteht.
Schritt 2: Wie werden Stamm, Abzweige und Bezugspunkte festgelegt?
Zeichnen Sie den Stamm als Hauptlinie und jeden Abzweig mit Abgangspunkt und Winkel. Wichtiger als die Linien sind die Bezugspunkte: Jede Längenangabe braucht einen eindeutigen Anfang und ein eindeutiges Ende. Üblich sind die Mitte des Abzweigs, die Rückseite des Steckergehäuses, das Ende einer Tülle oder das Ende des Wellrohrs. Legen Sie fest, welcher Punkt gilt, und verwenden Sie ihn im ganzen Plan gleich. Bemaßen Sie die Abschnitte von Abzweig zu Abzweig, nicht alles von einem einzigen Nullpunkt aus – so bleibt jeder Abschnitt einzeln prüfbar.
Schritt 3: Welche Toleranzen gehören an welche Abschnitte?
Eine einzige Toleranz für die Gesamtlänge reicht nicht, weil sich Abweichungen der Abschnitte am Ende summieren. Geben Sie je Abschnitt eine eigene Toleranz an: eng dort, wo der Stecker an einem festen Einbauort sitzt oder der Abzweig durch eine Bohrung muss, großzügiger in freien Abschnitten, die im Gerät ohnehin in einer Schlaufe liegen. Unnötig enge Toleranzen verteuern den Kabelbaum nicht beim Brett, sondern bei jedem einzelnen Stück, weil öfter nachgemessen werden muss.
| Angabe im Legeplan | Wofür wir sie am Brett brauchen | Was ohne sie passiert |
|---|---|---|
| Bezugspunkt je Länge | Position der Stifte und Aufnahmen | zwei Lesarten derselben Länge, Streit beim Erstmuster |
| Toleranz je Abschnitt | Prüfmaß am Brett und in der Zwischenkontrolle | zu enge Annahme verteuert, zu weite gefährdet den Einbau |
| Abzweigwinkel und Abgangsseite | Richtung der Abzweige auf dem Brett | gespiegelter Abzweig, Baum passt nicht ins Gerät |
| Steckerbezeichnung und Blickrichtung | Ausrichtung der Aufnahme, Kammerbelegung | Stecker um 180 Grad gedreht, Belegung vertauscht |
| Bindestellen und Bindungsart | Markierung der Bindepunkte | zu wenige oder falsche Bindungen, loses Bündel |
| Anfang und Ende von Wellrohr und Gewebeband | Zuschnittlänge und Position | Schutzschlauch rutscht, Abzweig ungeschützt |
| Position der Kennzeichnung | Abstand der Markierer vom Bezugspunkt | Markierer im Stecker oder unter dem Wellrohr |
Schritt 4: Was gehört zu jeder Steckerposition dazu?
Für jeden Stecker brauchen wir mehr als seine Lage auf dem Plan: die Bezeichnung, wie sie in der Stückliste steht, die Blickrichtung (Steck- oder Leitungsseite), die Kodierung und die Lage der Verriegelung. Setzen Sie die Kammerbelegung als kleine Tabelle direkt neben den Stecker – Kammer, Leitung, Farbe, Querschnitt, Gegenstelle. Bei Steckern mit Sekundärverriegelung vermerken Sie, dass sie nach dem Bestücken geschlossen wird. Fehlt die Blickrichtung, ist eine gespiegelte Belegung der häufigste Fehler am Erstmuster; die Durchgangsprüfung findet ihn zwar, aber erst nach der Arbeit.
Schritt 5: Wie werden Bindestellen, Schutzschlauch und Kennzeichnung eingetragen?
Tragen Sie die Bindestellen mit Abstand und Art ein: Kabelbinder mit Breite, Gewebeband gewickelt oder als Punkt, Schlauchbinder. Für Wellrohr, Geflechtschlauch und Gewebebandabschnitte gehören Anfang und Ende mit Bezugspunkt in den Plan, beim Wellrohr außerdem Nennweite und ob es geschlitzt ist. Kennzeichnungen bemaßen Sie vom Bezugspunkt aus, damit der Markierer weder im Steckergehäuse verschwindet noch unter dem Schlauch liegt. Welche Kennzeichnung sich wofür eignet, erklärt der Ratgeber Kabelkennzeichnung im Kabelsatz.
Schritt 6: Wie wird das Brett gebaut und freigegeben?
Wir übertragen den Plan auf die Platte, setzen Stifte, Halter und Steckeraufnahmen und markieren Bindestellen und Kennzeichnungspositionen direkt auf dem Plan. Dann legen wir 3–5 Kabelbäume als Erstmuster, messen jeden Abschnitt gegen Soll und Toleranz, prüfen Durchgang und Belegung mit Ihrem Prüfadapter und fotografieren Stecker, Abzweige und Kennzeichnung. Messwerte, Fotos und Prüfprotokoll gehen an Sie; erst mit Ihrer schriftlichen Freigabe beginnt die Serie. Vom Wareneingang bis zum fertig gemessenen Erstmuster vergehen 2–5 Tage.
Ändert sich später die Zeichnung, bekommt sie einen neuen Revisionsindex. Wir prüfen, ob das vorhandene Brett umgebaut werden kann, und fertigen in jedem Fall ein neues Erstmuster. Das Brett bleibt für Folgeabrufe bei uns und wird mit Ihrer Artikelnummer und dem Revisionsstand gekennzeichnet.
Was kostet ein Kabelbaum mit eigenem Nagelbrett?
Ein Beispiel: 800 Kabelbäume mit 14 Leitungen, zwei Crimps und zwei Kennzeichnungen je Leitung, 16 Bindestellen und Durchgangsprüfung. Mit Einrichtung und Nagelbrett ergibt das 7.560 € oder 9,45 € je Kabelbaum; das Brett selbst trägt davon 0,29 € je Stück (Richtwert – Angebot nach Anfrage und Muster). Die Laufzeit liegt bei rund 320 Arbeitsstunden, mit 10 Arbeitsplätzen etwa 5 Arbeitstage. Wie sich die Zahl je Losgröße verändert, zeigt der Ratgeber Kabelbaum kalkulieren; eigene Varianten rechnen Sie im Konfektionsrechner.
Die Leistung im Überblick finden Sie unter Kabelbäume und Leitungssätze auf dem Nagelbrett. Welche weiteren Unterlagen ins Angebotspaket gehören, beschreibt der Beitrag Kabelkonfektion auslagern auf apool.de. Den Legeplan schicken Sie am besten gleich mit der Anfrage – als PDF und, wenn vorhanden, als Datei aus dem Konstruktionssystem.